Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Eigentlich war für die September Tour ähnlich eine ca. 10/12 tägige Tour geplant über die Dolos => Friaul => Slowenien und zurück.
<Achtung: dieser Bericht enthält etwas mehr Text als sonst 😉 >
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Dieses mal wollte auch meine Frau mit ihrer Tracer mitfahren, also schön geplant und bei G-Maps Streetview immer mal Stichproben gemacht, ob die Straßen rein optisch befahrbar sind.
Kurz vor dem Urlaub hat unsere Chihuahua Omi (14J) eine Entzündung in den Zähnen bekommen. Das hieß volles Programm: Antibiotika, nach der Abschwellung, dann Zahnsteinentfernung und 5 Zähnchen mussten raus 🙁 – danach ging das Drama erst richtig los. Narkose zwar gut überlebt, aber danach war wie ein kleiner Reset im Kopf und fressen wollte sie auch nicht mehr richtig. Am Woe bevor wir fahren wollten, haben wir dann noch eine Futterumstellung versucht, die geglückt ist (zumindest über den Urlaub hinweg). So konnten wir dann das Hündchen in die Obhut der Schwiegermutter geben. Ansonsten hätten wir das abgeblasen und irgendwann nachgeholt.
Aber genug der Einleitung. Mitte September ging es los.
Teil 1 Tag 01
Erster Tag relativ unspektakulär: über den Nordschwarzwald => Schwäbische Alb => Allgäu nach Österreich ins Tannheimer Tal.
Pause an einem schönen Flüsschen
Der Tag war schön, die Sonne gab alles. Angekommen sind wir rechtzeitig vor dem dann aufziehenden Gewitter. In Schattwald haben wir im Alpengasthof “Zur Post” (G-Maps) genächtigt und auch gut gegessen.
Die Motorräder hatten auch einen Übernachtungsplatz in einer gegenüber stehenden Garage.
Gute Nacht
Gefahrene Strecke
Teil 1 Tag 02
An diesem Morgen waren die Straßen zwar noch nass vom Regen in der Nacht, aber die Sonne schien. Frohgemutes machten wir uns auf den Weg.
Durch das Tannheimer Tal ging es über den Gaichtpass zum Namlospass, welcher wirklich sehr schön zu fahren ist.
Von dort direkt über das Hahntennjoch ins Ötztal.
Im Ötztal zogen sich die Wolken bedrohlich dunkel zu. Kurz vor Sölden fing es dann leicht zu regnen an.
Da das Timmelsjoch anstand, hielten wir an und beratschlagen uns, ob wir weiterfahren oder nicht. Laut Regenradar stand die Chance ziemlich hoch, dass es auf der italienischen Seite trocken sein könnte und so sind wir weiter.
Falsche Entscheidung.
Der Regen wurde stärker und nach der Mautstation am Timmelsjoch ging es richtig ab.
Mitten in den Wolken war fast nix mehr zu sehen. Ausnahmsweise war ich froh, dass ein Wohnmobil vor mir fuhr. Ich hätte die Schafherde auf der Straße vermutlich vor lauter Regen und Nebel zu spät gesehen.
Innerlich habe ich mich schon verflucht, nicht in Sölden einfach gestoppt zu haben, insbesondere, da meine Frau mit ihrem Mopped dabei war.
Trotz Pinlock Visier war kaum etwas zu sehen, so dass ich dann mit offenem Visier, wegen dem Regen, blinzelnd weiterfuhr.
Tatsächlich hörte der Regen bei der Abfahrt mit den ganzen Kehren auf und ich jubelte innerlich.
Aber nicht lange.
Kurz vor Moos ging es wieder richtig ab.
Nach knapp einer Stunde des Wartens an der Tankstelle nach Moos, entschieden wir es für heute gut sein zu lassen und haben in Moos eine Unterkunft gesucht.
Fündig wurden wir beim Mooserwirt (G-Maps).
Dort erst mal ausgepackt, Handschuhe und Helmfutter geföhnt und anschließend noch lecker gegessen.
Abends nach dem Regen
Gefahrene Strecke
Teil 1 Tag 03
Der nächste Morgen war weniger lustig, meine Frau ist leider über Nacht krank geworden. Halsschmerzen, dicker Kopf etc.
Wieder war guter Rat teuer: Motorrad stehen lassen und sie als Sozia nachhause fahren und Motorrad mit dem Hänger holen?
Die Tour weiterfahren war keine Option.
Sie entschied, sie könne mit dem Motorrad und vielen Pausen heim fahren. Gesagt, getan. Mit Ibus und sonstigen Mittelchen aus der Reiseapotheke gedopt, machten wir uns auf den Rückweg über Meran (Höllenverkehr) zum Reschenpass.
Dort machten wir eine längere Pause. Die Sonne schien, während in den Bergen ringsherum dicke schwarze Wolken hingen.
Weiter ging es über die Silvretta Hochstraße, zum Glück wenig Verkehr und das Wetter blieb stabil.
Bieler Höhe
Kurvenspass hinab – nur nicht für meine Frau 🙁
Bei der Abfahrt ins Tal kamen wir auch noch an einem fast geräumten Unfall vorbei. Ein Großendurofahrer hat es dort zerlegt. Die Kiste lag im Hang und die Koffer lagen noch herum. Der Fahrer selbst wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert. Kein schöner Anblick.
Danach war auch Ende bei meiner Frau und wir machten Stopp im Gasthaus Montafonerhüsli (G-Maps). Die Zimmer sind recht “rustikal”, das Betreiberpaar aber super gastfreundlich. Essen war auch prima.
Gefahrene Strecke
Teil 1 Tag 04
Weiter ging es über das Faschinajoch – toll zu fahren.
Danach über eine kleine Straße das Schnepfegg befahren.
Bei Lingenau sprang auf einmal die Polizei auf die Straße und lotste uns auf einen Hof. Wunderte mich, da ich mir keiner Schuld bewusst war 🙂
Klärte sich aber schnell und so durften wir zufälligerweise einem Almabtrieb beiwohnen. Was ein Spektakel.
Anschließend ging es Wangen und Ravensburg umfahrend weiter. Bei Hausen im Tal war dann wieder Schluss.
Dort fanden wir im The-Crossing-Beuron Bed & Breakfast (G-Maps) eine Unterkunft. Das Betreiberpaar war auch hier total nett und hat uns noch einen Tipp für das Abendessen im Donautal Touristik Restaurant (G-Maps) gegeben. Dort gab es schwäbische Hausmannskost inkl. schöner Aussicht.
Gefahrene Strecke
Teil 1 Tag 05
Das Frühstück im B&B war auch lecker, da sie dort Wert auf die Regionalität der Produkte legen.
Der Wirt erzählte noch am Abend, dass morgens mit viel Glück Gemsen am Hang gesehen werden könnten. Im sich lichtenden Nebel konnte ich sie tatsächlich entdecken.
Der Rest der Heimfahrt klappte dann auch noch. Zuhause meine Frau erstmal ins Bett gepackt.
Höhenprofil
Gefahrene Strecke
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Was mach ich nun mit der zweiten Woche Urlaub?
Stornieren, zuhause bleiben oder noch einmal alleine los?
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Nach einem hin und her entschied mich dazu, nochmals loszufahren und wenigstens das Stilfser Joch noch zu “erfahren”, damit ich das für mich auch abhaken kann 😉
Meine Frau ging es dann wieder besser – vermutlich schon halber auf der Heimfahrt auskuriert. Sie wollte dann auch mit, nur dieses Mal als Sozia, da sie sich da nicht so arg anstrengen muss.
Hmm, erste Mal Stilfser Joch fahren und dann noch mit Sozia, was ich auch noch nie gemacht habe?
Ok, was solls, sie hat auch ein Recht darauf etwas zu erleben 😀 Dann stürzen wir uns in einen Kurztripp zu zweit auf der Quh, können andere schließlich auch.
Hingesessen kurz die Route geplant und Koffers gepackt.
Teil 2 Tag 01
Dienstag also wieder los. Nach Blick auf die Verkehrslage die Autobahn genommen um schnell wieder gen Süden zu kommen über die A61/A6/A7 bis Oy im Allgäu.
Da wir gut in der Zeit lagen bin ich noch über das Oberjoch => Tannheimer Tal
=> Gaichtpass => Hahntennjoch
=> Piller Höhe gefahren.
Während einer Pause dann die Unterkunft gesucht. Hier habe ich mich für das Hotel Fendels (G-Maps) entschieden, da es eine ruhige Lage abseits des Tals versprach.
Wie es oft vorkommt, sind die letzten Kilometer immer die zähesten. So auch dieses mal.
Die Anfahrt versprach eigentlich total easy zu werden aber dann versperrte uns eine Komplettsperrung den Weg zu dem Ort.
Auf der Karte gab es aber nur eine Straße und so war ich ein wenig verwirrt. Zum Glück war da noch ein Bauarbeiter, welcher auf Nachfrage meinte, weiter unten gäbe es ein Abzweig mit einer Umleitung über einen “gut ausgebauten Forstweg”.
Umgekehrt und tatsächlich dann auch gefunden, habe ich glatt übersehen. Die Zufahrt war im halbstunden Takt geregelt.
Wie zu erkennen war, war das ein Schotterweg. Na gut, jetzt kommt alles zusammen, erste Mal mit Sozia auf der Urlaubstour und dann noch gleich Schotter, was soll schon schief gehen.
Der Weg hatte es aber ganz schön in sich, vermutlich war er am Anfang mal schön, aber durch den Verkehr und Regen ganz schön ausgespült/ausgefahren. Spitzkehren mit grobem Schotter und ziemliche Spurrillen brachten meine Pumpe doch etwas in Bewegung.
Mit Vorsicht und Bedacht immer den richtigen Gang parat zu haben, habe ich dann auch diese Hürde gemeistert.
Anfahrt Fendels
Die Unterkunft war gut, Essen ebenso.
Abendstimmung
Gefahrene Strecke
Teil 2 Tag 02
Am nächsten Morgen sahen wir zu, dass wir gleich pünktlich zur Abfahrt um 09:00 fertig waren, da ich nicht zuviel Zeit bis zum Stilfser Joch verlieren wollte.
Ein Gast meinte vor der Abfahrt, da wäre er niemals mit dem Motorrad hochgefahren. Er würde aber hinter mir her fahren, um im Falle des Falles helfen zu können. Sehr nett, da sage ich natürlich nicht nein. Aber zum Glück sind wir ohne Sturz wieder runter gekommen.
Kaum wieder Teer unter den Rädern noch zum Abschied gewunken und weiter ging es Richtung Reschenpass.
Den Reschensee umfuhren wir auf der anderen Seite, also gegenüber der SS40.
Kurz vor Ende blockierte ein Baustellenfahrzeug die Weiterfahrt und so warteten wir 10 Minuten bevor es weiterging.
Die nächste Tagesbausstelle an der SS40 ließ auch nicht lange auf sich warten. Wieder wertvolle Zeit verloren.
Endlich ging es auf die SS38 Richtung Stilfser Joch und die Spannung stieg. Auf der Geraden vor Trafoi war noch eine kleine Gruppe Motorradfahrer vor mir, welche mir jetzt nicht so den erfahrenen Eindruck gemacht haben und so überholte ich diese noch.
Dann ging auch schon der Kurvenreigen los.
Ist schon ein ganz schöner Adrenalinkick dort hochzufahren.
Fotosouvenir, dank Kurvenpaparazzi 😉
Nach dem wir den Kurvenpaparazzi hinter uns gelassen haben, tauchte weiter vorne ein kleiner Bus auf, welcher ebenfalls noch oben fuhr. So ein Bus benötigt die Kehre komplett um rum zu kommen.
Normalerweise hält auf solchen Straßen auch derjenige, welcher von oben kommt, und alles überblickt vor der Kehre an – normalerweise. Ein Großendurofahrer meinte, er brauche das nicht und so kam es wie es kommen musste, er bremste in der Kurve und fiel um. Der Busfahrer konnte zum Glück bremsen. Vor uns waren noch ein paar andere Mopedfahrer und die sind gleich zu Hilfe geeilt. Derweil habe ich den Warnblinker eingeschaltet und habe versucht den nachfolgenden Verkehr runterzubremsen. Vergeblich. Wie von der Tarantel gestochen sind die Autos und auch Motorräder weitergefahren und haben sich an der Unfallstelle am Bus und an dem Motorrad vorbei gedrückt. Wahnsinn.
Dann kam auch die Motorradgruppe an, welche ich unten noch überholt habe. Der Erste und Zweite hat es geschafft der Dritte hat “plumps” gemacht und der Letzte dann ebenfalls. Alle mit Sozia drauf.
Dachte echt ich bin im falschen Film.
Zum Glück ist niemandem ernsthaft etwas passiert, außer etwas Blechschaden und dass sie voll runter mit den Nerven waren.
Wir warteten, bis sich alles aufgelöst hat und sind erst dann die letzten Kehren bis zur Passhöhe gefahren.
Dort haben wir uns erst mal eine Pause gegönnt und die Aussicht genossen.
Anschließend ging es weiter Richtung Bormio.
um dann den Passi di Foscagno
=> Passo di Eira => Forcola di Livigno entspannt zu fahren. Das letzte Highlight des Tages war dann noch der Berninapass in der Schweiz.
Bei St. Moritz fanden wir über Booking wieder ein Unterkunft, “Hotel Stille” (G-Maps). Ich fand dort aber keine Rezeption, erst an irgendeiner Tür war dann ein Zettel mit “Online Check-In”. Ich rief den Betreiber unter der dort angegebenen Rufnummer an und erfuhr, dass ich alle Infos per Mail erhalten habe. Naja, auf dem Moped lese ich keine Mails. Egal, er war nett und es gab noch ein Upgrade für ein Apartment. Sehr schön. Daneben war zwar ein Bauhof, aber Abends total ruhig. Abendessen und Frühstück gab es in der benachbarten Jugendherberge zu einem guten Preis.
Im direkt angrenzenden Wald war es möglich die Füße zu vertreten.
Der Aufkleber hat nun seinen Weg in den Deckel des Topcases gefunden.
Gefahrene Strecke
Teil 2 Tag 03
Am nächsten Morgen ging es los über den wunderschön zu fahrenden Albulapass. Wirklich großartige Landschaft und super wenig Verkehr.
Der Bergsee Lai da Palpuogna (G-Maps) lud zu einer kleinen Pause ein, um die Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Anschließend ging es über den Lenzerheidepass => Luzistieg => Wildhaus => zum Schwägalppass mit herrlichem Blick zum Säntis.
Danach noch durch das Hinterland über Osterbueel => Wasserfluh => Sternenberpass Richtung Deutschland.
Bei Diessenhofen wurde der Rhein nach Deutschland überquert und in Gailingen am Hochrhein haben wir im Gasthof Hirschen (G-Maps) Quartier bezogen. Essen war mega lecker.
Gefahrene Strecke
Teil 2 Tag 04
Am letzten Tag war die endgültige Heimreise angesagt. Der Blick aus dem Fenster versprach nix Gutes: Regen, wohin das Auge blickt.
Nach dem Frühstück zur A81 und dort einen Großteil der Strecke zurückgelegt, anschließend durch den Nordschwarzwald Richtung B9 hinter Karlsruhe.
Kurz vor Ettlingen hörte dann endlich der Regen auf – Mahlzeit.
Der Rest der Strecke war dann zum Glück Sonnenschein angesagt.
Es waren nochmals vier intensive und schöne Tage – es hat viel Spaß gemacht und meine Frau schlägt sich auch als Sozia super! Zwischendurch habe ich quasi gar nicht bemerkt das sie da ist 😀
Schlussendlich sind es insgesamt ~2700km geworden, auch wenn mit Unterbrechung. Und ich dachte erst noch, es lohnt nicht, nochmals runter zu fahren. Da wurde ich eines Besseren belehrt: es lohnt sich immer, auch wenn es nicht die 10/12 Tagestour ist.
Gefahrene Strecke
Höhenprofil der Tour























































































