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Die Suche nach dem perfekten Zweipersonen-Gefährt für die spontane Feierabendrunde
Manchmal ändern sich die Bedürfnisse. Wer mich kennt, weiß: Seit ich Motorrad fahre, war das Thema Roller für mich eigentlich komplett abgehakt. Warum auch? Für die großen Runden steht die treue „Q“ (meine R 1250 GS Adventure) in der Garage. Auf der anderen Seite macht es aber überhaupt keinen Sinn, die Dicke für Kurzstrecken anzuwerfen, um abends mal eben ein Eis essen zu fahren oder eine kleine Runde zu drehen – weshalb ich sie für sowas auch nie genutzt habe.
Ein kleinerer Untersatz musste also her. Die Vespa 300 GTS Super Notte meiner Frau wäre optisch eigentlich perfekt gewesen, ist für unser Vorhaben aber leider untauglich. Mit unseren Körpergrößen von 192 cm und 172 cm passen wir zu zweit einfach nicht vernünftig drauf.
Vor einigen Wochen haben wir also angefangen, uns intensiver mit dem Thema zu beschäftigen.
Anforderungen
- Platz für uns beide (ohne dass es weh tut)
- Ordentlich Schmalz: Mindestens 300 ccm, aber kein schwerer Motorradersatz über 500 ccm
- Gewicht: Fahrfertig maximal 200 kg
- Kompakt: Nicht zu riesig, weil der Platz zum Unterstellen zu Hause knapp ist
- Farbe: Wenn möglich schwarz (eh klar bei 3xschwarz 😎 )
- Budget: Maximal 8.000 €, gerne drunter – es bleibt schließlich ein Gelegenheitsfahrzeug
Kleine Odyssee
Mein erster Gedanke war natürlich Piaggio. Gar nicht so einfach, überhaupt Händler zu finden, die passende Vorführer auf dem Hof stehen haben.
Zuerst bin ich den MP3 300 gefahren. Irgendwie ein interessantes Konzept, aber viel zu klein – erst recht zu zweit. Die großen MP3-Varianten waren mir dann direkt zu „schiffartig“. Das ist eher was für Leute, die einen Autoersatz zum Pendeln suchen, und passt auch vom Platz her nicht in unsere Garage.
Danach fiel der Blick auf die Beverly S 400. Gibt es aktuell in komplett Schwarz mit ein paar blauen Akzenten. Aber auch hier ging die Probefahrt nach hinten los. Der Motor hat zwar gut Kraft (36 PS, 37,7 Nm) und die großen Räder (16” vorne, 14” hinten) fahren sich ordentlich, aber meine Beine fanden einfach keinen Platz. Sobald ich den Lenker eingeschlagen habe, waren die Knie im Weg. Für meine Frau war der Schrittbogen auch nix. Dazu kam, dass mich Verarbeitung und Ausstattung für den Preis nicht wirklich vom Hocker gehauen haben. Also weitersuchen.
Bei einem Händler wurden wir dann auf den Voge SR4 Max 350 aufmerksam gemacht. Hatte ich vorher noch nie gehört. Wie ich gelernt habe, ist das der Hersteller, der für BMW den C 400 GT baut – rollt also vom selben Band. Die technischen Daten lasen sich gut, aber das Design hat uns live einfach überhaupt nicht zugesagt.
Der Unbekannte: Zontes 368E
Wieder zu Hause habe ich dann sämtliche Datenblätter der 300er-Klasse von Yamaha, Honda, BMW und Kymco studiert. Irgendwann bin ich beim Googeln auf Zontes gestoßen (dahinter steckt der chinesische Hersteller Guangdong Tayo Motorcycles Technology).
Aus deren Modellpalette hat mich der Zontes 368E direkt angesprochen. Allein die nackten Zahlen haben genau ins Schwarze getroffen:
- 368 ccm
- 39 PS / 40 Nm
- Sitzhöhe: 770 mm / Radstand: 1570 mm
- Gewicht fahrfertig: 193 kg
- Tankinhalt: sagenhafte 17 Liter! 😀
Der nächste Zontes-Händler, der ein schwarzes Modell da hatte, saß in Hargesheim bei Bad Kreuznach. Also Termin gemacht und hingefahren. Optik ist bekanntlich Geschmackssache, aber uns hat er live sofort zugesagt.
Wir durften direkt eine kleine Probefahrt machen. Und siehe da: Schönes Ding! Fährt sich extrem geschmeidig, auch zu zweit. Sogar meine Beine haben endlich Platz und der Lenker lässt sich komplett einschlagen, ohne dass die Knie im Weg sind. Meine bessere Hälfte fand ihn auch super, weil sie ihn durch den niedrigen Schwerpunkt leicht rangieren kann und mit beiden Füßen stabil auf den Boden kommt.
Preislich ist der Roller extrem attraktiv, dazu sauber verarbeitet und mit einer Ausstattung gesegnet, bei der sich die etablierten Hersteller echt warm anziehen können. Einziger Wermutstropfen sind die recht kurzen Inspektionsintervalle: Entweder einmal im Jahr oder alle 4.000 km. Für Vielfahrer sicher ein K.o.-Kriterium, für unser Profil als Schönwetter-Eisdielen-Fahrer ist es uns erstmal egal.
Kurzum: Wir haben ihn gekauft.
Die ersten 750 Kilometer
Mittlerweile stehen über 750 km auf der Uhr. Wir versuchen gerade die Einfahrzeit (nicht über 5.500 U/min oder 90 km/h) so schnell wie möglich abzuspulen, damit danach mal ordentlich am Kabel gezogen werden kann.
Der Zontes fährt wirklich gut, auch zu zweit liegt er super auf der Straße. Der Sitz ist bequem und an die roller-typische „Klohaltung“ gewöhnt man sich innerhalb von Minuten. Die Bremsen packen ordentlich zu, der Motor klingt gesund und läuft extrem ruhig – keine nervigen Vibrationen im Fahrwerk.
Auch der Rest passt: Das Full-LED-Licht leuchtet nachts die Straße top aus. Der Windschutz ist gut, für mich passt die hohe Stellung des elektrisch verstellbaren Windschilds perfekt. Das Farbdisplay lässt sich super ablesen (man kann aus vier Layouts wählen) und die diversen USB-Steckdosen (inklusive einmal USB-C) bieten genug Saft für Smartphones und Co. Die mehrstufige Griffheizung funktioniert auch (braucht man aktuell zwar nicht, ist aber nett zu haben).
Ein echter Running Gag ist das riesige Spritfass: Wenn man das Teil vollgetankt hat, zeigt die Reichweite 475 Kilometer an. Da kann er fast schon mit der GSA mithalten!
Bisher macht der kleine Schwarze richtig Laune. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Detailaufnahmen
Handschutz, fast besser wie bei der GS 😉
Handbremse, die das Wegrollen auf abfallenden Grund verhindert.
Aussparung bei den Trittbrettern hilft für besseren Stand und verkleinert den Schrittbogen.
Klappe zum Tankdeckel öffnet elektrisch.
Sitz elektrisch verschlossen, mit Gasdruckfeder, damit er beim beladen nicht gehalten werden muss.
Lenker aus Aluguss, schön robust.
Taster haben gut definierten Druckpunkt und sind an gewohnter Stelle.
USB A und C vorne Links im Handschuhfach. Da bekommt man auch eine 1 Liter Flasche rein.
USB A vorne unter dem Display.
ABS / TCS vorne und hinten.
Auspuff verkleidet mit hitzebeständigem Kunststoff.
Soziarasten gummiert und geschmeidig ausklappbar (leichter Druck dagegen), im eingeklappten Zustand quasi unsichtbar.
Beleuchtete Knöpfe 🙂
Schönes TFL und Rücklicht
Update 22. Oktober 2025
Mittlerweile die 1TKM Inspektion hinter uns gebracht.
Diese hat 200.-€ gekostet.
Jetzt wird der Zontes ordentlich gefahren. Macht wirklich Laune und zieht gut. Genau so habe ich mir das für das gelegentliche Rollern vorgestellt.
Update 31. Oktober 2025
Nach Rückkehr aus unserem Urlaub war die Fahrzeugbatterie tot. Der Roller wurde drei Wochen nicht bewegt und war vorschriftsmäßig verriegelt (ansonsten funkt wohl der Roller noch mehr herum).
Der Händler hat die Batterie auf Gewährleistung getauscht, da das Fahrzeug gerade erst drei Monate alt war.
Vermutlich hat die Batterie von Anfang an einen Schuß gehabt.
Laut seiner Aussage hat die Qualität der Fahrzeugbatterien in letzter Zeit abgenommen und immer wenn er welche bestellt prüft er sie auch gleich durch.
Jetzt rollt er wieder brav.

























