Auf unseren Motorradreisen kennen wir es alle: Irgendwann hört die bekannte Asphaltwelt auf und es geht auf Schotter oder anderen Arten unbefestigter Wege weiter.
Weil diese Passagen nicht nur dazugehören, sondern vor allem eins machen – viel Spaß –, hat meine weltbeste Sozia den entscheidenden Impuls gegeben: „Mach mal ein Training!“ Gesagt, getan. Nach kurzer Recherche bei TWTMoto, die die Trainings im BMW Enduro Park Hechlingen anbieten, stand die Entscheidung: Mitte September angemeldet für das 2-Tages-Training, Anfang Oktober ging es los.
09.10.2026 – Anreise
Nach Feierabend ging es für mich mit dem Auto direkt nach Hechlingen am See. Da ich mit meiner Anmeldung wohl etwas spät dran war, waren das Hotel Forellenhof und die umliegenden Zimmer bereits ausgebucht. Kein Problem – dank Zelt auf dem Campingplatz Hasenmühle (G-Maps) war ich flexibel und lag obendrein direkt in der Nähe des Enduro Parks (G-Maps).
Aufbau im Scheinwerferlicht.
Die Vorfreude (und leichte Aufregung) auf zwei Tage Offroad-Training auf einer Leihmaschine – der aktuellen BMW R1300GSA – ließen mich in dieser Nacht allerdings nur schwer in den Schlaf finden.
10.10.2026 – Tag 1: Regen, Schweiß und Dreck
Punkt 07:00 Uhr klingelte der Wecker. Draußen: kühl, nass und ungemütlich. Schnell einen Brutzelkaffee und etwas zu essen rein, und ab zum Park, wo um 08:15 Uhr das Briefing wartete. Pünktlich zur Abfahrt fing es natürlich wieder an zu regnen.
Das Schild an der Einfahrt zum Enduro Park verspricht Spaß.
Nach der Anmeldung wurden erst einmal die Endurostiefel ausgehändigt, welche ich für die 2 Tage mietete. Nach einer kurzen Begrüßung und den wichtigsten Verhaltensregeln ging es an die Gruppeneinteilung. Als Offroad-Neuling (abgesehen von ein paar harmlosen Schotterwegen) entschied ich mich für die Anfängergruppe.
Schematische Abbildung des Enduro Parks.
Währenddessen regnete es draußen in Strömen. Zum Glück kein Dauerregen.
Dann wurde es ernst: Die Übergabe der Motorräder. Da standen sie in Reih und Glied, frisch gewaschen und mit Namensaufklebern versehen. Meine Wahl fiel bewusst auf die BMW R1300GSA, um ein möglichst realistisches Gefühl zu meiner eigenen R1250GSA zu haben.
Unser Instruktor war ein sympthischer, lockerer Typ. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde (wir starteten mit 7 Teilnehmern, nach der ersten Pause waren wir noch zu 6., da eine Teilnehmerin zum Individualtraining wechselte) ging es direkt zur Sache:
- Erklärung der Stehposition und Handhaltung auf dem Motorrad
- Aufwärmtraining mit Kreisfahrten und Gymnastik auf dem Bike
Das Programm des Tages
Bei gerade mal 10°C und Dauerregen kam ich trotz der Kälte heftig ins Schwitzen. Ehrlich gesagt: Das waren reale Bedingungen, denn auf Tour regnet es schließlich auch oft genug.
Auf dem Lehrplan standen:
- Langsames Kurvenfahren im Gelände
- Das wohldosierte Arbeiten mit Kupplung und Bremsen
- Vollbremsungen auf losem Untergrund
- Kontrolliertes Hoch- und Runterfahren von Steigungen
- Steile Abfahrten und manuelles Rückwärts-Rollen am Berg
- Kleine Wasserdurchfahrten
Pause
Gelände ist gut eingenässt..
Am Ende des Tages wurden die Maschinen, dreckig wie sie waren, in der Halle untergestellt, denn das Einsauen geht am nächsten Tag ja weiter.
- Fazit nach Tag 1: Das geht ganz schön in die Unterarme! Vor allem die Kupplung der 1300er erfordert etwas mehr Fingerkraft als auf der 1250er. Stärkung gab es durch die gemeinsame Mittagspause und das gemeinsame Abendessen im Hotel Forellenhof. Abends im Zelt vielen mir die Augen wie von selbst zu. Es gab viel Neues im Schlaf zu verarbeiten 😉 .
11.10.2026 – Tag 2: Sand, Notabstiege und kleine Wege
Der zweite Tag startete wettertechnisch genau so, wie Tag 1 aufgehört hatte: feucht-fröhlich. Das morgendliche Ritual aus Aufwärmen, Gymnastik auf dem Motorrad und Wiederholung des vortags Gelernten brachten den Kreislauf schnell in Schwung.
Danach wurde es spannend: Sanddurchfahrten. Es ist faszinierend, was mit so einem großen Dickschiff alles möglich ist, wenn man die Technik verstanden hat. Gut, natürlich musste die Q auch das ein oder andere Mal wieder aufgerichtet werden.
Q besiegt 😀
Ein echtes Highlight (und Adrenalin pur) war die Übung Notabstieg:
Motor aus, eingelegter Gang und sich nur über Kupplung und Bremse Zentimeter für Zentimeter einen steilen, rutschigen Pfad hinunterarbeiten.
Geschafft und heile unten angekommen.
Und weil es so gut lief, gleich noch einmal an anderer Stelle im Park.
Auf einem schmalen Pfad hin zum Abstieg.
Schöne Aussicht von da oben.
In der Schlange warten bis man dran ist.
Und dann geht es auch schon los.
Langsam die Dicke nach unten bugsieren.
Fast geschafft.
Zur Auflockerung nach der Anstrengung ging es Wasserdurchfahrten machen – was ein Spaß!
Erst Kleinere…
Dann Größere. In diesem Fall etwas zu schnell, was zu einer ziemlichen Sauerei führte.
Sogar eine Treppenabfahrt stand auf dem Programm.
Nach der Mittagspause stand dann der Praxistest an: eine Ausfahrt außerhalb des Parks über winzige Wege, Schotter und Matsch. Garniert mit Regenschauer.
Alles gesund und munter überstanden.
Abschließend wurden alle Maschinen in der Waschstraße abgestellt.
Am Ende des Tages gab es hoch verdient das Teilnahmezertifikat, jede Menge neue Kontakte und die Gewissheit: Muskelkater ja, aber überglücklich und zufrieden es geschafft zu haben auf den Heimweg!
Mein Fazit
Das TWTMoto-Team hat das Training absolut perfekt organisiert. Die Atmosphäre ist super entspannt, freundlich und druckfrei. Alles kann, nix muss.
Die Teilnehmer in meiner Gruppe trugen ebenfalls zu einem tollen, aufregenden Wochenende bei. Der Instruktor hat es geschafft, unsere unterschiedlichen Motorrad-Erfahrungen auf ein gemeinsames Offroad-Niveau zu heben und unsere Erwartungen an das Training zu übertreffen.
Das Gelände des Enduro Parks ist super: sehr abwechslungsreich gestaltet. Hier wird jeder Schwierigkeitsgrad geboten und es kommt sicher jeder auf seine Kosten.
Auch wenn man nicht plant, künftig jedes Wochenende im Dreck zu wühlen: Dieses Training zeigt einem eindrucksvoll, was mit der großen Reiseenduro tatsächlich alles machbar ist. Unbefestigte Wege und Schotterpisten verlieren ihren Schrecken und sind auf der nächsten Tour sicher kein Hindernis mehr.
Für mich steht fest: Das war definitiv nicht mein letztes Mal dort. Eventuell geht es beim nächsten Mal sogar gemeinsam mit der Sozia hin, um das Thema Offroad weiter zu vertiefen.
Weiterführende Informationen
- [DE] TWTMoto – BMW Enduro Park Hechlingen































